Dezember 9, 2009

“Wenn der David dem Goliath ans Bein pinkelt”

Die Gruppenphase der UEFA Champions-League ist abgeschlossen und wiedermal könnte man für den Satz “Es gibt keine Kleinen mehr” unzählige Groschen ins Phrasenschwein schmeissen. Egal ob der ein oder andere Favorit in den letzten Spielen mit C-Mannschaften antrat, weil man schon qualifiziert war, die Ergebnisse sprechen teilweise doch eine deutliche Sprache. Schauen wir uns mal die schlimmsten “Rotzbengel” an, die am Tisch der alt-etablierten rumgesaut haben.

FC Zürich

Der 12-fache Schweizer Meister ist zwar mit 5:14 Toren deutlich aus dem Wettbewerb gekegelt worden, konnte jedoch zweimal dem AC Milan ein Bein Stellen. Im Heimspiel bebte der “Letzigrund” als man den Italienern aus der Salami-Stadt ein Unentschieden servieren konnte. Für die Berlusconi-Jünger sicher eine verpatzte “Vendetta”, hatte man doch im San Siro sogar mit 0:1 verloren. Ebenso tat sich das “Weiße Ballet” aus Madrid mit seinem 1:0 Sieg vor eigener Kulisse gegen die Eidgenossen schwer. Bleibt abzuwarten ob Zürich nächste Saison wieder am großen Tisch speisen darf oder ob sich der härteste Rivale Basel wieder durchsetzt.

Rubin Kazan

Glasnost und Perestroika – Offenheit und Umbau. Schaut man sich zumindest Fussball-Russland an, ziehen diese Schlagworte definitiv Erfolge nach sich. Die sogenannten “Ostteams” sind immer stärker im kommen. Ebenso das Team aus Zentralrussland, das sich für den diesjährigen CL-Wettbewerb erstmals qualifizierte. Und direkt im Premierenjahr schlägt man den dreifachen Champions-League-Sieger CF Barcelona mit 1:2 und schafft im eigenen Stadion ein 0:0. Sogar Inter Mailand kommt in Russland über ein 1:1 nicht hinaus. Gegen den, zumindest politisch, “kleinen” Bruder aus der Ukraine muss man sich jedoch einmal geschlagen geben. Immerhin schaffte Kazan im Zentralstadion ein 0:0 gegen Dinamo Kiev. Auch hier sollte man den weiteren Verlauf des wachsenden Russen-Riesen mit Adleraugen verfolgen, zumal sich Kazan schon für die CL-Saison 2010/2011 qualifiziert hat und sicher nicht nur den Großen den Ars…. abputzen will.

FC Unirea Urziceni

Bitte wer? Wie spricht man das aus? Und wo liegt das überhaupt? Fragen die sich sicher jeder Deutsche gestellt hat, als er auf Sat.1 die Rumänen gegen Stuttgart hat spielen sehen. Tatsächlich ist Urziceni, die 18.000 Einwohner-”Gemeinde” nordöstlich der Hauptstadt Bukarest, absoluter Champions-League-Neuling, den man ja “so oder so eintütet”. Da hat der rumänische Meister von 2009 aber gewaltig was dagegen. Mit einem 1:1 gegen den VFB Stuttgart bekam man zumindest in Deutschland etwas Aufmerksamkeit. Spätestens aber nach dem beeindruckenden 1:4-Erfolg gegen die Glasgow Rangers machten schon ein paar mehr europäische Teams große Augen. Mit dem 1:0 Sieg gegen den FC Sevillia stand man vor dem letzten Spieltag sogar mit einem Bein im Achtelfinale. Leider (aus Sicht der Rumänen) scheiterte man im letzten Spiel gegen die Maultaschen-Bomber aus Stuttgart, die somit ihren Kurswechsel einläuteten. Man darf gespannt sein ob sich dieser Club in der Champions-League etablieren kann oder ob es lediglich eine Ein-Jahres-Fliege war.

Alles in allem sollte man sich über die “Underdogs”, die jedes Jahr dazukommen, freuen. Sie bereichern den Fussball und beweisen, dass man auch ohne Topspieler den “Großen” ein Bein stellen kann. Und sind wir mal ehrlich: Auch wenn sicher jeder traurig ist, wenn sein Team rausgehauen wird, ein bisschen Underdog sind wir doch alle ;)

In diesem Sinne

November 19, 2009

Der Geist von Herzogenaurach

Wer erinnert sich nicht gerne an die märchenhafte Story von Adi Dassler und der Nationalmannschaft bei der WM 1954. Dank ihm und natürlich Helmut Rahn, schaffte es unser Team die Ungarn in einer Wasserschlacht niederzukämpfen und den ersten Stern aufs Trikot zu bekommen. Was damals niemand für möglich hielt wurde durch eine simple wie geniale Idee vom Firmengründer des Herzogenauracher Weltunternehmens möglich. Mit den ersten Schraubstollen hatte die Mannschaft einen Grip wie Michael Schumacher bei seinen sieben WM-Titeln.

Adi Dassler mit dem Schraubstollenschuh

So verwundert es nicht, dass Adidas, immerhin seit gefühlten 100 Jahren Ausrüster unserer Nationalmannschaft, auch für die WM im eigenen Land 2006 massig Scheine in die Hand nahm um sich nicht  vom “Swoosh” aus Übersee den Rang ablaufen zu lassen. Es gleicht einem uralten Kampf. Viele vergleichen ihn mit dem Duell “David gegen Goliath”, andere sehen einen etwas realsitischeren Kampf um Marktanteile, der sich auf Augenhöhe befindet.

Mit der WM 2010 in Südafrika findet ein neues Kapitel statt. Und als ob es nicht schon genug an Perversion grenzt, dass alle Discounter und Supermärkte kurz nach den letzten Sonnenstrahlen schon die Weihnachtsmänner in den Regalen stehen haben, legt sich nun auch die Marke mit den 3 Streifen auf die Jagd um eine fette Beute zu fangen.

“Teamgeist” heist das sogenannte Graphic Novel Game, dass seit kurzem auf der Adidas-Homepage die neue Ausrüstung der Nationalmannschaft bewirbt. In einer heroisch und sehr patriotisch aufgemachten Atmosphäre muss man spielerisch versuchen, dem Trikot die Geschichte zurückzugeben, indem man alle 3 Finals nochmals durchspielen muss. Was wie eine Mischung aus Schach und Ego-Shooter aussieht, macht jedoch nach einer Weile extremen Spass, verflacht aber nach dem fünften Spiel auch schnell wieder.

Dennoch muss man zugeben, dass es einen beim ersten mal Stolz macht, der Mannschaft geholfen und dem Trikot seine Geschichte erfolgreich zurückgeben zu haben. Über die Jubel der Spieler in den Zwischensequenzen oder die schauspielerische Leistung der Fussballprofis generell lässt sich streiten. Trotzdem wird am Ende des Spiels eine klare Ansage gemacht: “Stern Nummer 4 muss her. Fifa World Cup 2010 Südafrika”. Bleibt nur zu hoffen, dass Jogi den Jungs dieses kleine aber feine Internetgame vor jedem Spiel der WM als Hausaufgabe aufgibt. Es soll schließlich auch der letzte daran erinnert werden, um was es geht ;)

In diesem Sinne

November 11, 2009

Der FC Bayern und das “Maradonna-Pele-Syndrom”

Ende der Woche verkündete der FC Bayern München, dass er den Mittelfeld-Allrounder Jose Ernesto Sosa bis Ende Juni 2010 an Estudiantes de La Plata ausleihen wird. Ein weiteres Toptalent, dass den Durchbruch beim Rekordmeister nicht geschafft hat.

Was ist los bei den Bayuvaren? Als man den 24jährigen im Sommer 2007 verpflichtete wurde er der Liga als “neuer Maradonna” vorgestellt. Nicht das erste mal, dass man im Alpenstaat mit solchen hoffnungsvollen wie überschwänglichen Floskeln südamerikanische Einkäufe rechtfertigte. Erinnert man sich an Roque Santa Cruz oder Claudio Pizarro (der noch der erfolgreichste Einkauf der Bayern war), sieht man Fussballer, die großes Potenzial haben, es aber bei den Bayern scheinbar nicht abrufen können. Nach seinem Wechsel vom FCB zu den Blackburn Rovers traff Santa Cruz 19mal in der englischen Liga. Auch der Peruaner Claudio Pizarro traf vergangene Saison bei seinem Wechsel zum alten Arbeitgeber Werder Bremen 17mal, auch wenn die Zeit beim FC Chelsea sicher ein dunkleres Kapitel seiner Karriere war. Generell stellt sich die Frage ob der FC Bayern unter Unvermögen beim Scouting leidet. Dabei machen es doch die anderen Bundesligavereine scheinbar kinderleicht vor. Schaut man sich die Südamerikaner der TSG Hoffenheim, oder aber Grafite vom Vorjahresmeister VfL Wolfsburg an, so fällt einem auf, dass in München etwas falsch laufen muss.

Entweder lässt man diesen jungen, aufstrebenden Fussballern nur wenig Chancen sich zu beweisen, oder aber man will lediglich einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Natürlich gibt es auch Beispiele, die es beim Rekordmeister geschafft haben: Thomas Müller, Holger Badstuber, Andreas Ottl. Aber Moment! Das sind ja alles Deutsche. Sicher freut es die Liga, wenn deutsche Talente gefördert werden, dennoch sollte man gerade in der heutigen Zeit genau überlegen für welchen Spieler man wieviel Geld ausgiebt. Gerade der FC Bayern sollte das nötige Kleingeld haben um Scouts in die große, weite Welt zu schicken, die wirkliche Talente entdecken. Und zwar Talente die sofort einschlagen, da man ja bekanntlich keine Zeit beim Münchner Großstadtklub hat. Vielleicht ab und zu mal eine Scheibe von den Konkurrenten (TSG Hoffenheim) abschneiden, auch wenn diese laut Aussage des Bayern-Vorstandes natürlich keine Konkurrenten sind ;)

In diesem Sinne

November 11, 2009

Who the fuck is Gomez?

Diese Frage stellen sich die Medien und sicher auch die Fans in letzter Zeit wohl immer öfter. Neuester “Skandal” auf den sich die Medien stürzen wie die Geier auf totes Fleisch: Der 4:0 Pokalerfolg gegen die Eintracht aus Frankfurt. Stürmer-Party, sogar Luca Toni, den man schon fast mit einer Pizza und einer ordentlichen Abfindung in den Flieger nach Italien setzen wollte, trifft auf einmal wieder. Miroslav Klose hat sein tief überwunden und Thomas Müller nimmt neuen Anlauf für einen Platz in der Nationalmanschaft. Nur der arme Mario trifft nicht.

Da sitzt er nun, der arme Tropf...

Kommt er mit dem Druck nicht klar? Schwirren Gedanken über einen möglichen Wechsel zurück zu Stuttgart in seinem Kopf oder ist er gar verhext worden? Oder stecken womöglich die Illuminati dahinter?

Die wildesten Gerüchte und Vermutungen werden angestellt und sollte er am Wochenende in der Bundesliga auch wieder nicht Treffen wird es wohl zu einem, für die Bundesrepublik, essentiellen Thema ausgeschlachtet.
Aber betrachtet man sich mal die nackten Fakten, dann ist es um Super-Mario doch nicht allzu schlecht bestellt. Seit der Saison 2006/2007 nie weniger als 10 Tore in einer Spielzeit geschossen, keine längeren Verletzungen und mit 6 Toren sogar Torschützenkönig des DFB-Pokals 07/08. Oder ist das Alles nur eine Randerscheinung?

Fakt ist, Mario Gomez ist erst 24 Jahre jung. Sollte man einen jungen, aufstrebenden Fussballer wie ihm nicht die Zeit lassen die er brauch um auch mal ein Tief zu überwinden? Warum werden Toptalente in England, wo die Presse bekanntlich radikaler ist, nicht von Journalisten niedergemacht? Ist das eine “deutsche” Krankheit, sich auf Spieler, die wie angeschlagene Boxer in die Ecke taumeln, zu stürzen? Ist es ein deutsches Problem, dass jeder Spieler, der in 5 Spielen 4 Tore schiesst automatisch zum Nationalspieler gekürt wird?
Fragen, die jeder für sich beantworten sollte. Alles in Allem sollte den Spielern die Zeit gelassen werden, die sie benötigen um wieder aus ihrem Tief aufzusteigen und die Bundesliga mit tollen Toren zu begeistern. Bei anderen Themen wird doch auch nicht so tief in die Wunde gestochen;).

In diesem Sinne