Der FC Bayern München spaltet nicht nur die Nation, er sorgte in den letzten 4 Wochen auch für reichlich graue Haare bei seinen Anhängern. Wann gab es das letzte Mal eine Saison, in der man als Bayern-Fan so oft zittern musste? Es sollen sogar Tips in Internetforen herumgehen, sich vor Bayernspielen French-Nails zuzulegen um nicht die eigenen Fingernägel bis auf den Knochen runter zu kauen. Aber Quo Vadis FC Bayern? Gibt es am Ende der Saison Gladiolen oder doch Gänseblümchen? Schauen wir uns mal die Bilanz in den einzelnen Wettbewerben an.
Bundesliga
Der Rekordmeister steht erst seit dem 24. Spieltag auf dem ersten Tabellenplatz und liefert sich seit dem einen heissen und spannenden Fight mit Bayer Leverkusen (die eventuell nach dem 30. Spieltag endgültig aus dem Titelrennen sein könnten) und Schalke 04.
Die Blau-Weißen aus Gelsenkirchen konnte man vergangenes Wochenende mit einem 1:2 Sieg wieder von der Spitze stoßen. Dennoch hat es für die Münchner immer wieder peinliche Stolpersteine gegeben, hatte man doch am 28. Spieltag den Südgipfel gegen die Schwaben aus Stuttgart mit 1:2 verloren und das Wochenende davor gegen die Eintracht aus Frankfurt mit gleichem Ergebnis die Segel streichen müssen. Wenn es aber drauf ankommt, sind die Bayern da und dass die Meisterschaft sich wohl nur über die direkten Duelle entscheidet, dürfte jedem Fan klar sein.
Das Restprogramm sollte, bis auf das kommende Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen, eigentlich ein “angenehmes Auslaufen” werden, trifft man doch auf die abstiegsgefährdeten Hannoveraner, die Fohlen aus Gladbach, den VfL Bochum und zum Saisonfinale auf die ebenfalls vom Abstieg bedrohten Herthaner aus der Hauptstadt. Leistet man sich wieder Ausrutscher oder schafft man es bis zum Saisonende eine konstante Leistung abzurufen, um am Ende der Saison die Schale wieder in die Höhe zu heben?
DFB-Pokal
Im deutschen Pokalwettbewerb hatten die Bayern keine große Mühe Runde für Runde weiter zu kommen. Bis zum Halbfinale warteten dankbare Gegner, die mit den Spielen gegen den Rekordmeister die Vereinskassen auffüllten.
- 1. Runde: SpVgg Neckarelz – FC Bayern München 1:3
- 2. Runde: FC Bayern München – RW Oberhausen 5:0
- Achtelfinale: Eintracht Frankfurt – FC Bayern München 0:4
- Viertelfinale: FC Bayern München – SpVgg Greuther Fürth 6:2
Im Halbfinale stand dann das Duell gegen den Erzrivalen Schalke 04 an. Ein Spiel, dass schon im Vorfeld für Furore sorgte, da den Königsblauen sogar unterstellt wurde, den “Rasen” extra unbespielbar gemacht zu haben. Ob ein Fussballprofi auf einem englischen Rasen genauso gut spielen können muss wie auf einem Aschenplatz in Essen-Frintrop, darüber lässt sich lange diskutieren und streiten. Fakt ist, der FC Bayern hat es, dank einer überragenden Einzelleistung ihres Holländers Arjen Robben, mit einem 0:1 in der Verlängerung ins Finale geschafft, in dem man auf DFB-Pokal-Abonnement Werder Bremen trifft.
Uefa Champions-League
“Bayern-Dusel”, “Ohne Robben wären die garnix”, “Sie wachsen über sich hinaus”. Nur einige Aussagen über die bisherigen Spiele in der Königsklasse. Aber der Reihe nach. Angefangen hat alles mit einem lockeren 0:3-Sieg gegen den israelischen Meister Maccabi Haifa. Es folgte ein eher unentspanntes Remis gegen die “Alte Dame” aus Turin. In den beiden folgenden Spielen hieß es für alle Bayern-Fans “Stark sein! Ihr müsst jetzt ganz stark sein!”. Girondins Bordeaux war für die Bayern das, was für einen Hai ein Schlauchboot ist: Ganz zähe Masse. Und ein paar Zähne hat man in den beiden Partien auf jeden Fall verloren. Und Haare mit Sicherheit auch. Mit zwei Niederlagen, in Frankreich und vor heimischen Publikum, sah es ganz düster für die Bajuvaren aus. Ein Sieg in Turin musste her. Und als gäbe es an einem kalten Dienstagabend im Winter nichts besseres zu tun, fertigte man Juventus mit einem atemberaubenden 1:4 Sieg ab.
Achtelfinale! Der Gegner: Fiorentina. Schaffte man zuhause ein schmeichelhaftes 2:1, so musste auch hier wieder gezittert werden. Florenz hatte mit dem Gegentreffer in München wohl die besseren Karten. Dann folgte der erste Akt eines Fussball-Krimis, der sich gewaschen hatte. Was einer Hasenjagd in nichts nachstand, wurde wieder mal am Ende durch einen überragenden Arjen Robben gekrönt, der den FC Bayern mit seinem Treffer zum 3:2-Endstand ins Viertelfinale schoss. Nie war eine Niederlage so schön, als an diesem Abend in der Toskana.
Viertelfinale! Der Gegner: Manchester United. “Jetzt ist Endstation!”. Ich gebe zu, sogar ich als Bayern-Fan habe mich direkt nach der Auslosung damit abgefunden, dass wir es zwar weit geschafft haben, aber gegen Manchester für uns kein Blumentopf zu holen ist. Mit einem Wayne Rooney in der Form seines Lebens konnte man davon ausgehen, sich die Halbfinals in aller Ruhe mit Freunden beim Grillen anzuschauen. Und im Hinspiel in München sah nach zwei gespielten Minuten auch alles danach aus. Doch dann folgte ein Spiel, bei dem man sich die Augen rieb und zweimal hinschauen musste. Was war das? Die Bayern spielten total entfesselt. Sowas hatte man lange nichtmehr gesehen. Den Spielstand kennt jeder und den Helden des Abends ebenfalls.
Rückspiel in Old Trafford. Ist Rooney verletzt? Spielen Robben und van Buyten wieder für die Bayern? Rooney spielt definitiv nicht! Rooney steht in der Startaufstellung! Robben ist fit für das Spiel! Ein mediales Wirrwar was da vor dem Rückspiel veranstaltet wurde. Entscheidungen von nationalem Ausmaß für das englische Königreich wurden in allen Sportzeitschriften auseinander genommen. Im Endeffekt spielte ManU mit seinem Topstar Rooney und die Bayern konnten wieder auf Robben und van Buyten zurückgreifen. Und auf einmal war es wieder da. Das Zittern. Die Angst, dass doch wieder Schluss im Viertelfinale ist. Und die Treffer der Engländer in der 3. und 7. Minute zur 2:0-Führung sprachen ebenfalls dafür. 43. Minute, Nani macht das dritte Tor der Partie. Das wars dann. Doch dann war ER wieder da: GOALIC!!! Er brachte die Bayern wieder ran. Der nächste “Hoffnungsschimmer” der mitgereisten Fans war die gelb-rote Karte für Rafael wegen wiederholten Foulspiels. Und dann gab es in der 74. Minute wieder diesen magischen Moment: Arjen Robben trifft mit einem gewollten Volleyschuss zum 3:2 Endstand. Schon wieder verloren. Und schon wieder weiter. Halbfinale. Gegen einen vermeindlich schwachen Gegner aus Lyon, der die Bayern aber in der Vergangenheit nie gut aussehen lassen hat.
Fazit
Der FC Bayern München stand am Anfang der Saison unter besonderer Beobachtung, hatte man sich doch vom glücklosen Jürgen aus dem Schwabenland verabschiedet und den Tulpen-General van Gaal aus Alkmaar geholt. Was würde er reissen können? So schleppend wie die Saison in allen drei Wettbewerben anlief, so sahnig läuft es aber auch jetzt im Moment für den Holländer. “Wir wollen Meister werden. Alles andere ist uns egal” hieß es aus der Vorstandsetage des Rekordclubs. Auf einmal ist man in einer Situation, in der man sogar das Triple gewinnen könnte. Das haben, seit der Einführung der UEFA Champions-League, nur Manchester United (1999) und der FC Barcelona (2009) geschafft. Man könnte aber genauso am Ende der Saison mit nichts da stehen. Ganz genau: NICHTS! Deshalb stellt sich die Frage: “Gladiolen oder Gänseblümchen?” Spätestens am 22. Mai werden wir sehen wo der FC Bayern steht. Auf dem Olymp mit drei Titeln in der Tasche oder vor der Vitrine auf der Geschäftsstelle in der Säbener Straße. Um zu schauen, was man alles hätte erreichen können in der Saison 2009/2010.
In diesem Sinne



