Was klingt wie ein Märchen, ist für Hans-Jörg Butt Wirklichkeit geworden. Der 35jährige Torhüter, der sich in seiner Karriere immer mit zweiten oder dritten Plätzen abfinden musste, erlebt bei seinem derzeitigen Arbeitgeber, dem FC Bayern München seinen zweiten Frühling. Ablösefrei von Benfica Lissabon in die bayerische Landeshauptstadt gekommen, war die Anfangsrolle klar: Ersatztorhüter hinter Michael Rensing. Aber wie das bei Märchen so ist, kam alles anders.
2002 – Ein Jahr, das für Jörg Butt unter der großen Ziffer 2 stand. Mit Leverkusen Zweiter in der Liga, Zweiter im DFB-Pokal und im Champions-League-Finale gegen Real Madrid auch Zweiter. Dazu kam noch der zweite Platz bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, bei der er jedoch keine Einsatzzeit bekam. 2 Minuten hätten es dann wohl auch auf die Spitze getrieben
. Danach kam die Ernüchterung. Plötzlich nur noch Dritter in der Bundesliga. Und zwar 2004 mit Bayer Leverkusen (was er übrigens auch vier Jahre zuvor mit dem HSV schon schaffte). Dann kam die Flucht ins Ausland. 2007 Wechselte Butt zum Champions-League-Teilnehmer Benfica Lissabon. Doch auch hier fand Hans sein Glück nicht. Und so kam er 2008 zurück in die Bundesliga. Kein geringerer als Jürgen Klinsmann lotste ihn zum Rekordmeister aus München. Ein großer Verein und doch schaffte es Butt mit den Bayern 2009 nur auf den, wie sollte es auch anders sein, zweiten Platz in der Liga.
Mit seinem Schicksal wahrscheinlich schon abgefunden, patzte plötzlich sein Kontrahent Michael Rensing. Und auf einmal kam Butts Chance. Er wurde unter dem Schwaben zur Nr. 1 der Bayern, zumindest bis Saisonende, das Klinsmann allerdings nicht mehr miterlebte. Quo Vadis Hans? Wer wird neuer Trainer und gibt auch er mir eine Chance? Die zweite Frage wurde relativ schnell geklärt. Es wurde der Tulpengeneral Louis van Gaal. Die erste Frage erledigte sich auch schon nach dem 4. Spieltag der Saison 2009/2010. Michael Rensing schaffte es einfach nicht, seine Unsicherheiten abzulegen, was van Gaal dazu veranlasste, Hans-Jörg Butt zum Stammtorhüter zu ernennen. Und Butt machte seinen Job gut.
Jetzt konnte das richtige Märchen beginnen. Mit Ruhe, Gelassenheit und Sicherheit spielte sich Butt nichtnur ins Herz von van Gaal sondern auch in die Herzen der Bayern-Anhänger. Es kam immer öfter vor, dass “Butt, Butt, Butt, Butt-Rufe” durchs Rund der Allianz-Arena hallten. Und plötzlich musste sich Hans die Augen reiben. Mit seinen 35 Jahren schaffte er es mit den Bayern ins Finale des DFB-Pokals und ins Champions-League Finale. Ob er Angst hatte, wieder nur überall Zweiter zu werden? Was die Meisterschaft anging war er vermutlich furchtlos. Denn am 33. Spieltag erfüllte sich der Torhüter einen Traum, der ihm bis dahin verwährt blieb. Er wurde zum ersten mal Deutscher Meister.
Und das Märchen ging noch weiter. Eine Woche später hatte Butt sogar die Chance in einer Saison gleich zwei Titel zu gewinnen. Es stand das DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen an. Doch Hans kam gar nicht aus dem Feiern raus. Die Ereignisse und Glücksmomente überschlugen sich förmlich. Bundes-Jogi nominierte Butt als dritten Torhüter – schon wieder Dritter? Ganz und gar nicht. Durch die verletzungsbedingte Absage von Rene Adler wurde Butt in die Nationalelf berufen und das mit nichtmal allzu schlechten Chancen vielleicht auch dort die Nummer 1 zu werden. Aber eins nach dem anderen. Es stand also das Pokalfinale an und nach 90. Minuten musste sich Butt sicherlich wieder die Augen reiben. “Was habe ich nur 13 Jahre lang falsch gemacht?” fragte er sich vielleicht. Aber es ist in der Tat eine wunderschöne Geschichte eines ruhigen aber sympatischen Mannes, der mit 35 Jahren die beiden ersten Titel seiner Fussballkarriere gewonnen hat. Und Hans hat ja auch noch die große Chance sein eigenes Märchen zu krönen. Sollte er am 22. Mai mit dem FC Bayern das Champions-League-Finale in Madrid gewinnen, hat er nicht nur 3 Titel in einer Saison geholt, er würde sich mit der Mannschaft zusammen unsterblich im deutschen Fussball machen.
Man weiß nicht, wie Joachim Löw die T-Frage entscheidet, wenn Butt wirklich alle drei Titel gewinnen sollte. Dennoch ist es schon eine Ehre für einen Torhüter in diesem Alter nochmals für sein Land bei einer Weltmeisterschaft mitreisen und vielleicht sogar auch mitspielen zu dürfen. Egal ob die noch ausstehenden Antworten für Hans-Jörg Butt positiv oder negativ sein werden. Eines hat er in der Saison 2009/2010 jetzt schon geschafft. Er hat das schönste Märchen der Bundesliga geschrieben. Und wenn er nicht gestorben ist…….kann er vielleicht noch den ein oder anderen Titel gewinnen.
In diesem Sinne

